Christoph

Wie ich zum Protest gegen das „Bahnprojekt Stuttgart-Ulm“ stieß

Im Juli 2010 ließ mich eine Pressemitteilung aufhorchen: Die Kosten der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm, so musste die Bahn zugeben, würden um sage und schreibe 40 % steigen – von knapp über 2 Milliarden auf knapp unter 3 Milliarden. Ministerpräsident Mappus meinte dazu, diese Steigerung sei gerade noch akzeptabel. Ich fragte mich: Warum äußert sich eigentlich der Ministerpräsident eines Landes über ein Vorhaben, das von der Bahn finanziert werden muss? Und was wird der Mann bei der nächsten Kostensteigerung sagen, die so sicher kommt wie das Amen in der Kirche? Ist die auch noch gerade akzeptabel?

Als ich mich eingehender mit dem Thema befasste, erfuhr ich, dass die Wirtschaftlichkeitsberechnung, die der Bund für diese Hochgeschwindigkeitsstrecke liefern muss, schon seit Monaten überfällig war. (Heute weiß ich: die Zuständigen haben wohl dutzendweise Bleistifte bei dem vergeblichen Versuch zerbissen, die Zahlen schön-zurechnen: die Trasse ist viel zu steil für Güterzüge. Und damit rechnet sie sich schlicht nicht. Außerdem ist mir inzwischen klar, dass das Land das Projekt massiv unterstützt – offen und verdeckt.)

Und dann lernte ich, dass die Neubaustrecke Voraussetzung für die Realisierung von Stuttgart 21 ist: ohne Neubaustrecke endet Stuttgart 21 bei Wendlingen in der Pampa.

Als ich dann im August von dem geplanten Abriss des Nordflügels hörte, brachte dies das Fass zum Überlaufen: Durch den Baubeginn bei Stuttgart 21 sollten für die Neubaustrecke, die ohne Wirtschaftlichkeitsberechnung noch gar nicht genehmigt war, Fakten geschaffen werden. Damit die Politik später sagen kann: Wir haben schon so viel ausgegeben, jetzt können wir nicht mehr zurück und müssen beide Projekte auf jeden Fall durchziehen. Das hat mich auf die Straße getrieben.

Stuttgart, 10.1.2011
Christoph

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